G Ö T T I N G E N H Ö R E N
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Die Stadt der Nobelpreisträger: Von deutscher Gelehrsamkeit und der Suche nach den Ursprüngen der Menschheit
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Die Gänseliesel bleibt jetzt oft ungeküsst
 
Geboren in Göttingen, zur Schule gegangen in Göttingen, den Wehrdienst abgeleistet und studiert in Göttingen - fast 27 Jahre habe ich in der heimeligen Universitätsstadt gelebt. Da sollte man eigentlich meinen, alles, aber auch alles über die "eigene" Stadt zu wissen - doch weit gefehlt. Bei der Stadtführung muss ich erfahren, dass mein Geburtshaus im Mittelalter die Behausung des Henkers war. Ein Schauer läuft mir über den Rücken; die Frage, ob dadurch Rückschlüsse auf die eigene Vita zu ziehen sind, verbietet sich.
 
Heute ist die Mühlenstraße Nummer 4 Standort des ""Irish Pub" und beliebter Treffpunkt der Studenten. 23.000 sind es noch - was vor allen Dingen dann auffällt, wenn Semesterferien sind, wenn sich die junge, lebendige und bisweilen laute Stadt in einen Ort der Ruhe verwandelt: Die Fußgängerzone beinahe leer gefegt, die Studentenkneipen kaum bevölkert und das Gänseliesel ganz ungeküsst. Zur Erläuterung: Seinen Doktortitel feiert man hier in Südniedersachsen, indem man nach bestandener Prüfung auf den Brunnen steigt und dem Wahrzeichen der Stadt einen Kuss auf die Lippen drückt.
 
Über 30.000 Studenten studierten vor gerade einmal zehn Jahren in Göttingen. Der Wohnungsmarkt war dicht, das Zentrale Hörsaalgebäude diente als Schlafstätte, Studentenjobs waren rar und wurden im Losverfahren verteilt. Der Andrang auf die Studienplätze war enorm, nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass Göttingen durch den Fall der Mauer geographisch in den Mittelpunkt des neuen Deutschlands rückte. Tempi passati - heute muss Göttingen um seine Studenten kämpfen und gegen den Ruf, vielleicht nur eine Universität unter vielen zu sein.
 
Die Gebrüder Grimm, von Bismarck, Gauss, Lichtenberg, Hahn, mittlerweile 44 Nobelpreisträger - die glorreiche Vergangenheit ist gleichzeitig Verpflichtung für die neue Georg-August-Universität Göttingen: in der Digitalisierung der Buchbestände deutschlandweit führend, in der Forschung am Deutschen Primatenzentrum Maßstäbe setzend. 1734 wurde die Universität im Zeitalter der Aufklärung gegründet - und aufklärerisch will Göttingen insbesondere in den Naturwissenschaften auch im 21. Jahrhundert wirken.
 
Autor
 
Oliver Pieper
 
Zitat
 
"Nicht nur Nobelpreisträger fühlen sich hier wohl: Neben der altehrwürdigen Universität und Kulturdenkmälern wie der berühmten Gutenbergbibel hat Göttingen ein buntes Stadtleben und das wohl am häufigsten geküsste Mädchen Deutschlands zu bieten. Ich habe eine Stadt besucht, die zwar stolz auf ihren Beitrag zu Kultur und Wissenschaft ist, sich aber nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht."
 
Iwona Metzner (Polnisches Programm)

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